FIFA Schiedsrichter-Assistent plaudert aus dem Nähkästchen

Auf der jährlichen Halbserientagung zum Ende der Winterpause wartete auf die Schiedsrichter des Fußballkreises ein besonderer Gast. FIFA Schiedsrichter-Assistent Markus Häcker, welcher dem LFV Mecklenburg/Vorpommern angehört, war als Gastredner angekündigt und lieferte in einem lockeren Referat über seine Laufbahn seltene Einblicke in den Alltag eines Unparteiischen auf höchster Ebene.

Leider folgten der Einladung des Schiedsrichterausschusses am Freitagabend nur 43 von derzeit 149 gelisteten Schiedsrichtern im Fußballkreis. „Natürlich kommt es immer zu beruflich- oder krankheitsbedingten Abmeldungen aber ein Großteil der Schiedsrichter reagiert leider gar nicht auf Einladungen wie diese, welche laut Schiedsrichterordnung §3, Punkt 5 eine Pflichtveranstaltung für jeden Kollegen darstellen. Zwar haben wir im letzten Jahr eine ähnlich gefüllte Anwesenheitsliste verzeichnet aber mit dem diesjährigen Highlight haben wir gehofft das Interesse vieler zu wecken.“ ließ Schiedsrichter-Obmann Robert Graeske verlauten.

Für die da gewesenen Sportfreunde werden so manche Eindrücke hingegen noch länger im Gedächtnis bleiben. „Einen Aubameyang [Stürmer von Borussia Dortmund, Anm. d. Red.] kann man nicht folgen.“ gab der ranghöchste mecklenburgische Schiedsrichter-Assistent zu und sorgte damit für ein Schmunzeln bei den anwesenden Schiedsrichtern. „Im Stadion schaue ich schon vor dem Spiel nach gewissen Anhaltspunkten wie z.B. den Linien, welche sich aus dem Mähen des Rasens ergeben. Sie können mir helfen in schwierigen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen, wenn ich beispielsweise bei einem Konter nicht auf gleicher Höhe sein kann.“

Markus Häcker, der seit 2011 auf der FIFA-Liste geführt wird, kam direkt von der Reha-Klinik, wo er sich nach einer Wirbelsäulen-OP auf die Genesung fokussiert, nach Kyritz. Der Kontakt entstand über Dieter Kriehn, der jahrelang als Schiedsrichter-Obmann in Mecklenburg-Vorpommern aktiv war und derzeit das Beobachtungswesen im Fußballkreis leitet: „Wir kennen uns sehr gut und ich habe nicht lange gezögert, die Einladung anzunehmen. Ich komme aus der Nähe und hätte mir damals nie erträumt, so viel im Schiedsrichterwesen erreichen zu können. Ich möchte der Basis vieles von dem zurückgeben, was ich erfahren und erleben darf.“ sagte Häcker zu seinen Beweggründen.

PALMA DE MALLORCA, SPAIN - JANUARY 21: Markus Haecker poses during a portrait session during the DFB Referee's Training Camp on January 21, 2015 in Palma de Mallorca, Spain. (Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)
FIFA Schiedsrichter-Assistent Markus Häcker (Foto: DFB)

Während seines Referats hätte man eine Stecknadel auf den Boden fallen hören können. Jeder folgte aufmerksam und gespannt den Ausführungen des FIFA-Assistenten, der sich auch enttäuscht über das derzeit wieder in den Fokus geratene angespannte Verhältnis zwischen Trainern und Unparteiischen zeigte. Die Tonlage vieler Äußerungen seien sehr ergebnisorientiert. Der gegenseitige Respekt dürfe nicht verloren gehen.
Häcker sprach sich zudem als Befürworter des Videobeweises aus: „Ich bin ein sehr gerechtigkeitsliebender Mensch.“ Er wolle nicht der sein, der durch eine Fehlentscheidung ein Ergebnis ungerecht beeinflusse. Der Videobeweis nehme auch Druck von den Unparteiischen und schütze sie vor der nicht immer fairen Presse im Profifußball.

Nicht zuletzt appellierte Häcker auch an die Kreisschiedsrichter und deren Ehrgeiz, sich mehr mit dem Regelwerk zu beschäftigen. Er selbst finde immer wieder etwas Neues, wenn er das umfangreiche Fußball-Regelwerk aufschlage und betonte die Wichtigkeit, sich regelmäßig mit den zu beantwortenden Regelfragen aus dem Hausregeltraining zu beschäftigen. Mit dem nötigen Willen und einer gewissen Einsatzbereitschaft könne man viel erreichen sagte der bodenständige Sportler und blickte damit auch auf seine eigene Karriere zurück.

Angesichts des besonderen Gastes gerieten die weiteren Tagesordnungspunkte etwas in den Hintergrund. Während zum einen die Hinrunde aus Sicht des Ansetzungs-, Lehr- und Beobachtungswesens ausgewertet wurde, stellte Graeske zum anderen die Idee eines Schiedsrichterbeirates vor, um die Informationswege zwischen den Schiedsrichtern auf Kreisebene und dem Schiedsrichterausschuss geordneter zu gestalten. Nach einer kurzen Diskussion erfolgte eine Abstimmung unter den anwesenden Unparteiischen, in dessen Ergebnis die Umsetzung der Idee abgelehnt wurde. Die Kreisschiedsrichter befanden den direkten und offenen Umgang untereinander, den auch Markus Häcker lobte und „selten so erlebt“ hat, als ausreichend und sehen keinen Bedarf an einen Beirat.

Nach der Beantwortung einiger Fragen aus der Runde verabschiedete sich FIFA Schiedsrichter-Assistent Markus Häcker gegen 21:15 Uhr und fuhr zurück in die Reha-Klinik. „Die Gesundheit hat derzeit oberste Priorität.“ stellte der Gastreferent klar. Sein Ziel sei es mit dem Beginn der neuen Spielzeit im Sommer wieder einsatzbereit und 100% leistungsfähig zu sein.

Sebastian Werner
Schiedsrichter-Ausschuss FK Prignitz/Ruppin | Nachwuchskoordinator

02_Kriehn,Haecker,Graeske
Leiter des Beobachtungswesens Dieter Kriehn, FIFA Schiedsrichter-Assistent Markus Häcker, Schiedsrichter-Obmann Robert Graeske (v.l.n.r.)